Zwangsgedanken: Warum sie so belastend sind – und wie man sie loslassen kann

Als Psychotherapeut für Online-Therapie und vor Ort in Wien begegne ich immer wieder Menschen, die unter Zwangsgedanken leiden. Diese aufdringlichen, unerwünschten Gedanken können sehr belastend sein und oft erhebliche Angst oder Unwohlsein auslösen. Viele Betroffene wissen nicht, warum sie diese Gedanken haben oder wie sie damit umgehen sollen. In diesem Artikel möchte ich Ihnen helfen, Zwangsgedanken besser zu verstehen und Wege aufzeigen, wie Sie lernen können, sie loszulassen.

 

Was sind Zwangsgedanken?

Zwangsgedanken sind unerwünschte, sich aufdrängende Gedanken, Bilder oder Impulse, die immer wieder auftauchen und oft mit Angst oder Schuldgefühlen verbunden sind.

 

Sie können sich auf verschiedene Themen beziehen, zum Beispiel:

 

Angst vor Schaden: Viele Menschen haben wiederkehrende Gedanken darüber, anderen unbeabsichtigt Schaden zuzufügen. Dies kann sich beispielsweise in der Angst äußern, beim Autofahren unbemerkt jemanden angefahren zu haben oder durch Nachlässigkeit einen Brand auszulösen. Betroffene kontrollieren oft mehrfach, ob sie die Herdplatte ausgeschaltet oder die Tür abgeschlossen haben, um sicherzugehen, dass nichts Schlimmes passiert.

 

Sauberkeit und Hygiene: Eine übermäßige Angst vor Kontamination durch Schmutz, Keime oder giftige Substanzen führt dazu, dass Betroffene extreme Reinigungsrituale entwickeln. Häufiges Händewaschen, Desinfizieren oder das Meiden öffentlicher Orte aus Angst vor Ansteckung sind typische Anzeichen. Diese Ängste können das soziale Leben erheblich einschränken und zu erheblichem Leidensdruck führen.

 

Moralische oder religiöse Bedenken: Menschen mit dieser Art von Zwangsgedanken fürchten, gegen ihre moralischen oder religiösen Überzeugungen zu verstoßen. Sie zweifeln oft an ihren eigenen Gedanken und hinterfragen ständig, ob sie sich richtig verhalten haben. Manche haben Angst, unbewusst eine Sünde begangen zu haben oder gar für ihre Gedanken bestraft zu werden. Dies kann zu übermäßigem Beten, häufigen Beichten oder anderen ritualisierten Verhaltensweisen führen.

 

Symmetrie und Ordnung
Der starke Drang, Dinge in einer bestimmten Weise anzuordnen oder Tätigkeiten nach festen Regeln auszuführen, kann ebenfalls belastend sein. Betroffene verspüren ein starkes Unbehagen, wenn Gegenstände nicht „perfekt“ ausgerichtet sind oder wenn sie bestimmte Handlungen nicht symmetrisch ausführen. Dies kann sich beispielsweise darin äußern, dass jemand immer eine gleiche Anzahl von Schritten macht oder Bücher und Alltagsgegenstände millimetergenau anordnet.

  

Diese Gedanken treten ungewollt auf und widersprechen häufig den persönlichen Werten und Überzeugungen der Betroffenen. Das führt zu großer innerer Anspannung und Unsicherheit.

 

Warum sind Zwangsgedanken so belastend?

Viele Menschen haben gelegentlich merkwürdige oder störende Gedanken. Der Unterschied bei Betroffenen mit Zwangsgedanken ist, dass diese Gedanken als extrem bedrohlich oder beängstigend empfunden werden. Häufig wird versucht, sie durch mentale Rituale oder Vermeidungsverhalten zu kontrollieren, was jedoch meist den Leidensdruck noch verstärkt.

Ein Teufelskreis entsteht: Je mehr Sie versuchen, die Gedanken loszuwerden, desto stärker drängen sie sich auf. Diese sogenannte „paradoxe Wirkung“ ist ein Hauptgrund, warum Zwangsgedanken so belastend sind.

 

Wie kann man Zwangsgedanken loslassen?

1. Verstehen, dass Gedanken nicht gefährlich sind

Zwangsgedanken fühlen sich bedrohlich an, doch sie sind nicht gefährlich. Gedanken sind keine Tatsachen – sie haben keine Macht über Ihr Verhalten. Sie müssen ihnen nicht nachgehen oder ihnen eine besondere Bedeutung beimessen.

 

2. Akzeptanz statt Kontrolle

Versuchen Sie nicht, Zwangsgedanken aktiv zu unterdrücken. Dies führt oft dazu, dass sie noch stärker werden. Stattdessen hilft es, die Gedanken bewusst wahrzunehmen, ohne ihnen eine besondere Bedeutung zu geben oder in Panik zu geraten.

 

3. Die Angst bewusst aushalten

Ein wichtiger Schritt in der Therapie von Zwangsgedanken ist die sogenannte „Exposition mit Reaktionsverhinderung“. Das bedeutet, dass Sie sich Ihren Ängsten gezielt stellen, ohne Zwangshandlungen oder Vermeidungsstrategien einzusetzen. Dies führt langfristig dazu, dass die Angst nachlässt.

 

4. Achtsamkeit und kognitive Techniken nutzen

Achtsamkeitsübungen helfen, Zwangsgedanken zu beobachten, ohne sich von ihnen überwältigen zu lassen. Kognitive Verhaltenstherapie kann zudem helfen, verzerrte Denkmuster zu erkennen und realistischere Bewertungen der Gedanken vorzunehmen.

 

5. Professionelle Hilfe in Anspruch nehmen

Zwangsgedanken können sehr hartnäckig sein. Wenn sie Ihr tägliches Leben stark beeinträchtigen, kann eine gezielte Psychotherapie – beispielsweise eine Online-Therapie oder ein persönliches Gespräch in meiner Praxis in Wien – eine wertvolle Unterstützung sein.

 

Sie sind nicht allein – Ich bin für Sie da!

Falls Sie sich in diesen Beschreibungen wiedererkennen und Unterstützung wünschen, stehe ich Ihnen gerne zur Seite. Gemeinsam können wir Wege finden, um den Zwangsgedanken die Macht zu nehmen und mehr Lebensqualität zu gewinnen.

 

Dr. Richard Blokesch
📞 Tel: +43 676 967 12 70
📩 Mail: richard.blokesch@gmail.com