Schematherapie: Erweiterung der KVT in Wien und online
Verhaltenstherapie mit ergänzenden schematherapeutischen Elementen – in 1060 Wien und online.
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Sie wissen, dass ein kleiner Fehler Sie nicht wertlos macht. Trotzdem fühlt sich eine kritische Rückmeldung genau so an. Oder Sie erkennen, dass ständiges Nachfragen Ihre Beziehung belastet, und greifen bei der nächsten Unsicherheit erneut zum Telefon. Zwischen dem verstandenen Zusammenhang und einer anderen Reaktion kann eine erhebliche Lücke liegen.
Schematherapie beschäftigt sich mit solchen wiederkehrenden Mustern: mit ihrer Entstehung, den dazugehörigen Gefühlen und den Strategien, die kurzfristig schützen, langfristig aber Schwierigkeiten verfestigen können. Sie wurde von Jeffrey Young als Erweiterung der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) entwickelt. Dabei verbindet sie kognitive und verhaltensbezogene Vorgehensweisen mit einer stärkeren Arbeit an Emotionen, Grundbedürfnissen und Beziehungserfahrungen. In meiner Arbeit bildet Verhaltenstherapie die Grundlage; ergänzend beziehe ich schematherapeutische Elemente ein. Was diese Verbindung bedeutet und wo ihre Grenzen liegen, erklärt dieser Artikel.
Kurz gesagt
Ein Schema ist im schematherapeutischen Modell ein überdauerndes Muster des Erlebens und Bewertens. Ein Modus beschreibt dagegen den gerade aktiven Zustand: beispielsweise Verletzlichkeit, strenge Selbstkritik oder emotionalen Rückzug. Ziel ist, Bedürfnisse besser zu verstehen und angemessener mit ihnen umzugehen. Schemabegriffe sind Orientierungshilfen und keine Diagnosen. Studien zu einer vollständigen Schematherapie belegen nicht automatisch die Wirkung einzelner Übungen oder ergänzender Elemente.
Inhalt und Orientierung
- Was ist ein Schema?
- Schema und Modus: Was ist der Unterschied?
- Drei Arten, mit einem schmerzhaften Muster umzugehen
- Beispiel: Eine Rückmeldung wird zum Urteil über die ganze Person
- Beispiel: Verlustangst und Rückversicherung
- Wie kann die Arbeit mit Schemata ablaufen?
- Schematherapie als Erweiterung der kognitiven Verhaltenstherapie
- Was sagt die Forschung zur Schematherapie?
- Eine erste Beobachtungsübung
- Häufige Fragen zur Schematherapie
- Passende Artikel zum Weiterlesen
- Quellen und fachliche Einordnung
Was ist ein Schema?
Im Modell der Schematherapie können sich aus dem Zusammenspiel von Temperament und Erfahrungen grundlegende Erwartungen an sich selbst und an Beziehungen entwickeln. Manche sind im späteren Leben wenig hilfreich. Beispiele wären: „Meine Bedürfnisse interessieren niemanden“, „Wenn jemand mich wirklich kennt, lehnt er mich ab“ oder „Ich darf mir keinen Fehler erlauben“. Die internationale Fachgesellschaft beschreibt 18 frühe maladaptive Schemata. „Maladaptiv“ bedeutet, dass ein Muster die Anpassung an die heutige Situation erschwert. ISST: zentrale Konzepte
Ein solches Muster besteht nicht nur aus einem Satz im Kopf. Es kann mit Erinnerungen, körperlicher Anspannung und starken Gefühlen verbunden sein. Deshalb reicht ein vernünftiges Gegenargument manchmal nicht aus. Entscheidend ist auch, welche neuen Erfahrungen möglich werden und wie Sie handeln, wenn das alte Muster anspringt.
Nicht jede starke Reaktion lässt sich auf ein frühes Schema zurückführen. Aktuelle Überlastung, tatsächliche Zurückweisung oder ein ungerechtes Umfeld müssen ebenfalls ernst genommen werden. Eine hilfreiche Erklärung prüft die heutige Situation, statt jedes Problem automatisch in der Kindheit zu suchen.
Schema und Modus: Was ist der Unterschied?
Das Schema beschreibt eher das wiederkehrende Grundthema; der Modus den gegenwärtigen Zustand und die dazugehörige Reaktionsweise. Eine Person kann beispielsweise grundsätzlich erwarten, verlassen zu werden. Nach einer ausgebliebenen Nachricht fühlt sie sich zunächst hilflos, wird dann vorwurfsvoll und zieht sich anschließend selbst zurück. Das Grundthema bleibt ähnlich, die Zustände wechseln.
In der therapeutischen Arbeit können dafür Begriffe wie verletzlicher Kindmodus, kritischer Elternmodus oder distanzierter Beschützer verwendet werden. Diese Bezeichnungen sind Bilder für Erlebensweisen. Sie bedeuten nicht, dass verschiedene Personen in Ihnen leben oder dass Ihr Verhalten durch ein Etikett vollständig erklärt wäre.
Auch die Bezeichnung „gesunder Erwachsenenmodus“ ist kein Anspruch, immer vernünftig und ruhig zu sein. Gemeint ist eine Fähigkeit: Gefühle wahrnehmen, Bedürfnisse ernst nehmen, die Situation überprüfen und Verantwortung für eine angemessene Reaktion übernehmen. Eine verständliche persönliche Beschreibung ist dabei oft hilfreicher als das Auswendiglernen einer Modiliste.
Drei Arten, mit einem schmerzhaften Muster umzugehen
Die Schematherapie unterscheidet Unterwerfung, Vermeidung und Überkompensation. Bei Unterwerfung richtet sich eine Person nach der alten Erwartung. Bei Vermeidung versucht sie, das schmerzhafte Gefühl nicht zu erleben. Bei Überkompensation verhält sie sich so, als müsse das Gegenteil des befürchteten Zustands unbedingt bewiesen werden. ISST: Bewältigungsstile
Wie das aussehen könnte, zeigt ein konstruiertes Beispiel zum Grundthema „Ich bin nicht gut genug“:
- Sich unterordnen: Sie nehmen die ungünstigste Aufgabe an und widersprechen nicht, weil Ihre eigenen Wünsche weniger berechtigt erscheinen.
- Vermeiden: Sie sagen eine Bewerbung ab, bevor jemand Ihre Leistung beurteilen kann.
- Überkompensieren: Sie arbeiten jede Aufgabe immer weiter aus, um unangreifbar zu werden, und reagieren auf Kritik besonders scharf.
Diese Beispiele sind mögliche Arbeitshypothesen. Eine sorgfältige Einordnung fragt, welche Funktion das Verhalten für diese Person in dieser Situation hat. Eine lange Arbeitszeit kann etwa auch durch reale Anforderungen entstehen. Aus einer einzelnen Handlung lässt sich kein Bewältigungsstil sicher ablesen.
Beispiel: Eine Rückmeldung wird zum Urteil über die ganze Person
Eine konstruierte Alltagssituation: Eine Kollegin bittet um eine kleine Änderung an einer Präsentation. Sie hören darin sofort: „Sie hält mich für unfähig.“ Sie überarbeiten bis spät in die Nacht, prüfen jede Formulierung und gehen am nächsten Tag erschöpft in die Besprechung. Die fertige Präsentation beruhigt zunächst. Gleichzeitig fehlen Ihnen Erfahrungen damit, eine begrenzte Korrektur anzunehmen und die Arbeit trotzdem rechtzeitig zu beenden.
Eine schematherapeutische Betrachtung könnte untersuchen, welcher empfindliche Punkt berührt wurde und welche innere Stimme zusätzlichen Druck erzeugt. Eine verhaltenstherapeutische Analyse fragt ergänzend nach dem Ablauf: Auslöser, Bedeutung, Gefühl, Reaktion und Folgen. Beide Perspektiven können auf dieselbe konkrete Veränderung zulaufen: Eine Rückfrage stellen, die sachliche Korrektur umsetzen und anschließend zu einem vorher vereinbarten Zeitpunkt aufhören.
Der Versuch wäre keine Aufforderung, absichtlich schlechte Arbeit abzugeben. Er prüft eine genauere Frage: Ist eine begrenzte, fachlich angemessene Überarbeitung tatsächlich so gefährlich, wie sie sich anfühlt? Mehr zum entsprechenden Thema finden Sie unter Perfektionismus und innerer Druck.
Beispiel: Verlustangst und Rückversicherung
In einer zweiten konstruierten Szene antwortet der Partner später als erwartet. Der erste Gedanke lautet: „Er will nichts mehr mit mir zu tun haben.“ Mehrere Nachrichten und Kontrollfragen bringen eine kurze Beruhigung, sobald die Antwort eintrifft. Beim nächsten Mal entsteht derselbe Druck erneut.
Hier wäre zunächst zu klären, ob tatsächlich Verlässlichkeit fehlt oder ob eine mehrdeutige Situation besonders bedrohlich bewertet wird. Ein Schema kann eine mögliche Erklärung für die Empfindlichkeit sein; es darf reale Beziehungserfahrungen nicht wegdeuten. Anschließend geht es darum, zwischen einer berechtigten Bitte um Information und wiederholter Rückversicherung zu unterscheiden.
Eine passende Veränderung könnte sein, einen klaren Kommunikationsrahmen zu vereinbaren und den ersten Nachfragedrang wahrzunehmen, bevor weitere Nachrichten folgen. Bei starker Belastung sollte das gemeinsam mit therapeutischer Unterstützung geplant werden. Der bestehende Artikel zur Angst, verlassen zu werden vertieft dieses individuelle Erleben. Wenn beide gemeinsam an einem Konflikt arbeiten möchten, ist Paartherapie ein eigenes Setting.
Wie kann die Arbeit mit Schemata ablaufen?
Am Anfang steht nicht die Zuordnung zu möglichst vielen Schemata. Zuerst braucht es eine nachvollziehbare Beschreibung Ihrer Belastung, Ihrer Lebensumstände und Ihrer Ziele. Aus konkreten Situationen können sich gemeinsame Hypothesen entwickeln. Fragebögen können dabei unterstützen, ersetzen aber weder das Gespräch noch die diagnostische Abklärung.
Zu einer umfassenden Schematherapie können kognitive, erlebnisorientierte und verhaltensbezogene Vorgehensweisen gehören. Bei erlebnisorientierter Arbeit werden beispielsweise innere Dialoge oder bildhafte Vorstellungen genutzt. Ihr Einsatz braucht eine passende Begründung, Zustimmung und ein Tempo, das zur Person passt. Ein eindrucksvolles Erlebnis in einer Sitzung ist noch kein Beleg für eine dauerhafte Veränderung.
Für den Alltag ist die nächste Frage entscheidend: Woran würden Sie merken, dass sich das Muster verändert? Vielleicht daran, dass Sie Kritik genauer prüfen, eine Grenze aussprechen oder nach einem Fehler weniger Zeit mit Selbstabwertung verbringen. Solche Ziele machen Fortschritte und Schwierigkeiten besprechbar.
Schematherapie als Erweiterung der kognitiven Verhaltenstherapie
Schematherapie ist eine Erweiterung der kognitiven Verhaltenstherapie. Sie baut auf deren Grundlagen auf und ergänzt sie um ein Modell von Schemata, Modi und emotionalen Grundbedürfnissen sowie um erlebnisorientierte und beziehungsbezogene Vorgehensweisen. Es geht deshalb um die Verbindung innerhalb eines weiterentwickelten Behandlungsansatzes. DVT: Entwicklung der Verhaltenstherapie
Die Gegenüberstellung „Schematherapie arbeitet an Ursachen, Verhaltenstherapie nur an Symptomen“ führt in die Irre. Auch Verhaltenstherapie berücksichtigt Lerngeschichte, Biografie und Beziehungserfahrungen. Sie verbindet dieses Verständnis mit der Frage, welche Prozesse eine Schwierigkeit heute aufrechterhalten und wie sich daran etwas verändern lässt.
Schematherapie bringt dafür ein eigenes Modell von Grundbedürfnissen, Schemata und Modi mit. Dieses kann besonders bei wiederkehrenden persönlichen und zwischenmenschlichen Mustern eine verständliche Sprache anbieten. Ob es für Sie hilfreich ist, zeigt sich daran, ob das Modell Ihr Erleben genauer erfasst und zu passenden Veränderungen beiträgt.
In meiner Arbeit werden schematherapeutische Elemente in eine verhaltenstherapeutische Behandlung eingebettet. Das ist von einem vollständigen schematherapeutischen Studienprotokoll zu unterscheiden. Eine weiterführende Darstellung meiner Grundlage finden Sie unter Verhaltenstherapie: Ablauf und Arbeitsweise.
Was sagt die Forschung zur Schematherapie?
Eine wichtige randomisierte Studie von Bamelis und Kollegen untersuchte 323 Menschen mit bestimmten Persönlichkeitsstörungen. Verglichen wurden eine umfassende Schematherapie mit 50 Sitzungen, klärungsorientierte Psychotherapie und übliche Behandlung. Bei der diagnostischen Beurteilung nach drei Jahren schnitt Schematherapie günstiger ab; Unterschiede zeigten sich jedoch nicht in gleicher Weise in allen Selbstauskunftsmaßen. Bamelis et al., 2014
Das ist ein Befund zu bestimmten Patientengruppen und einer definierten Gesamtbehandlung. Er lässt sich nicht als Erfolgsquote für gelegentliche Modiarbeit, für jedes Selbstwertproblem oder für meine Praxis übernehmen. Auch ein anschauliches Modell muss im Einzelfall zu Diagnose, Ziel und Behandlungsrahmen passen.
Die Forschung sollte außerdem zwischen Schemaänderung und Symptomverbesserung unterscheiden. Beides kann zusammen auftreten, doch daraus folgt nicht automatisch, dass jede beobachtete Verbesserung durch genau den angenommenen Schema-Mechanismus verursacht wurde. Eine wissenschaftlich begründete Therapie bleibt deshalb offen für Rückmeldungen und alternative Erklärungen.
Eine erste Beobachtungsübung
Wählen Sie eine überschaubare Alltagssituation, keine besonders belastende Erinnerung. Notieren Sie:
- Was ist tatsächlich passiert?
- Welche Bedeutung hatte es sofort für mich?
- Was habe ich gefühlt und getan?
- Was wurde dadurch kurzfristig leichter?
- Welches Bedürfnis und welcher nächste Schritt passen zur heutigen Situation?
Ein Beispiel: „Eine Freundin sagt ab. Ich denke, ich bin unwichtig. Ich ziehe mich beleidigt zurück. Dadurch muss ich meine Enttäuschung nicht aussprechen. Ich könnte nach einem anderen Termin fragen und zugleich prüfen, ob Absagen tatsächlich ein häufiges Muster sind.“ Das Blatt soll genaueres Beobachten ermöglichen. Es muss weder eine Kindheitserinnerung noch eine bestimmte Schema-Bezeichnung ergeben.
Häufige Fragen zur Schematherapie
Muss ich dafür eine Persönlichkeitsstörung haben?
Nein. Einzelne schematherapeutische Konzepte können auch zur Einordnung anderer wiederkehrender Muster genutzt werden. Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt jedoch vom gesamten Befund ab. Die Forschung zu einer bestimmten Diagnose darf nicht als Wirksamkeitsnachweis für alle anderen Anliegen ausgegeben werden.
Geht es in jeder Sitzung um die Kindheit?
Nein. Vergangene Erfahrungen können helfen, heutige Reaktionen zu verstehen. Die Arbeit braucht aber ebenso den Bezug zu gegenwärtigen Situationen. Ein hilfreiches Verständnis sollte Ihnen ermöglichen, heute anders mit sich selbst und anderen umzugehen.
Sind Modi dasselbe wie verschiedene Persönlichkeiten?
Nein. Modibegriffe beschreiben wechselnde Zustände und Bewältigungsweisen innerhalb eines therapeutischen Modells. Sie sind für sich genommen keine Diagnose einer dissoziativen Störung. Wenn sich Zustände sehr fremd anfühlen oder Erinnerungslücken auftreten, braucht es eine eigenständige fachliche Abklärung.
Wie lange dauert eine solche Behandlung?
Das lässt sich aus dem Methodennamen nicht ableiten. Ziele, Schwere und Dauer der Beschwerden, Begleiterkrankungen und der vereinbarte Rahmen beeinflussen die Planung. Die 50 Sitzungen der genannten Studie sind keine allgemeine Vorgabe für jede Behandlung mit schematherapeutischen Elementen.
Wie kann ich mein Anliegen besprechen?
Für ein Online-Erstgespräch können Sie direkt einen Termin buchen. In meiner Einzeltherapie dauert ein Gespräch 50 Minuten und kostet 150 Euro. Für einen Praxistermin in Wien oder eine organisatorische Frage nutzen Sie die persönliche Anfrage. Weitere Angaben zu meiner Ausbildung stehen unter Über mich.
Passende Artikel zum Weiterlesen
Quellen und fachliche Einordnung
- Deutscher Fachverband für Verhaltenstherapie: Entwicklung der Verhaltenstherapie. Fachliche Einordnung der Schematherapie als Weiterentwicklung der Verhaltenstherapie.
- International Society of Schema Therapy: zentrale Konzepte. Beschreibung des Modells aus Sicht der Fachgesellschaft, kein unabhängiger Methodenvergleich.
- ISST: Bewältigungsstile. Grundlage der begrifflichen Unterscheidung; die Alltagssituationen dieses Artikels sind konstruierte Beispiele.
- Bamelis et al.: randomisierte Studie zu Persönlichkeitsstörungen. Untersucht eine vollständige Behandlung, keine isolierten Elemente meiner Verhaltenstherapie.
Veröffentlicht am 18. Juni 2026. Zuletzt überarbeitet am 15. Oktober 2026.
Über Dr. Richard Blokesch
Dr. Richard Blokesch ist Psychotherapeut für Verhaltenstherapie und bezieht ergänzende schematherapeutische Elemente ein. Informationen zu Ausbildung und Arbeitsweise finden Sie unter Über mich.
Weiterführende Artikel
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