Integrative Therapie: Methode und Vergleich mit Verhaltenstherapie

„Integrativ“ klingt zunächst nach einer Behandlung, die verschiedene hilfreiche Möglichkeiten verbindet. Bei der Suche begegnen Ihnen unter diesem Wort jedoch unterschiedliche Angebote: ein bestimmtes Psychotherapieverfahren, eine allgemein methodenübergreifende Arbeitsweise oder die Ergänzung eines Grundverfahrens durch einzelne Techniken. Diese Unterschiede sind für die Auswahl einer Therapie wesentlich.

Integrative Therapie bezeichnet in Österreich einen konkreten Ansatz mit eigener Theorie und Ausbildung. Meine Verhaltenstherapie mit ergänzenden schematherapeutischen Elementen wird dadurch nicht automatisch zu Integrativer Therapie. Dieser Artikel erklärt die Fachrichtung, ihre Arbeitsweise und die Frage, wie sich aus einem breiten Verständnis Ihrer Situation ein nachvollziehbarer Behandlungsplan entwickeln kann.

Kurz gesagt

Integrative Therapie verbindet verschiedene theoretische und praktische Zugänge in einem eigenen Gesamtkonzept. Körperliches Erleben, Gefühle, Gedanken, Biografie und Lebensumfeld werden miteinander betrachtet. Der allgemeine Ausdruck „integrative Psychotherapie“ kann dagegen Verschiedenes meinen. Für die Entscheidung sollten Sie nach dem erlernten Grundverfahren und dem konkreten Vorgehen fragen. Die Verbindung mehrerer Techniken allein beweist weder eine bessere Wirkung noch das Vorliegen dieses bestimmten Verfahrens.

Dass eine Behandlung Gefühle, Körperreaktionen und Beziehungen berücksichtigt, sagt allein noch wenig über die Therapieschule aus. Meine verhaltenstherapeutische Arbeitsweise erläutere ich im Vergleich weiter unten. Meine verhaltenstherapeutische Arbeitsweise.

Inhalt und Orientierung

Was ist Integrative Therapie als Fachrichtung?

Der Ansatz wurde seit den 1960er-Jahren wesentlich von Hilarion Petzold, Johanna Sieper und Ilse Orth entwickelt. Die ÖAGG beschreibt ihn als methodenplurales Verfahren mit einem Menschenbild, das körperliche, seelische, soziale und ökologische Zusammenhänge berücksichtigt. Gespräch, Beziehungsarbeit, leibbezogene und kreative Vorgehensweisen können darin zusammenkommen. ÖAGG: Integrative Therapie

Für Patientinnen und Patienten muss ein solches Gesamtverständnis praktisch werden. Eine Behandlung kann den Arbeitsplatz, die Beziehungssituation und körperliche Anspannung berücksichtigen. Trotzdem sollte deutlich sein, welche Schwierigkeit zuerst bearbeitet wird und weshalb eine bestimmte Intervention dafür sinnvoll erscheint.

„Ganzheitlich“ ist deshalb eine Beschreibung der Perspektive, kein eigenständiger Wirksamkeitsnachweis. Eine Therapie kann viele Lebensbereiche erfassen und trotzdem unklar bleiben. Umgekehrt bedeutet ein zunächst begrenztes Arbeitsziel nicht, dass der Mensch auf ein Symptom reduziert wird. Entscheidend ist, wie beides zusammengebracht wird.

Integrative Therapie oder allgemein integratives Arbeiten?

Bei einer methodenübergreifenden Arbeitsweise werden Elemente unterschiedlicher Ansätze verbunden. Das kann auf verschiedene Weise geschehen und sagt für sich genommen wenig über Ausbildung und Begründung aus. Die Fachbezeichnung Integrative Therapie meint dagegen ein bestimmtes Verfahren.

Ein Beispiel aus meinem Angebot: Schematherapeutische Elemente können in eine Verhaltenstherapie eingebettet werden. Der Bezugspunkt bleibt dabei die verhaltenstherapeutische Behandlung mit ihrem individuellen Erklärungsmodell und ihren Zielen. Informationen dazu finden Sie unter Schematherapie und schematherapeutische Elemente.

Wenn eine Website „integrativ“ verwendet, sind daher drei Fragen sinnvoll: Welches Grundverfahren wurde erlernt? Welche Ergänzungen werden genutzt? Und weshalb passen sie zur konkreten Schwierigkeit? Die Antwort sollte mehr enthalten als eine lange Liste von Methodenbegriffen.

Wie könnte eine Behandlung aussehen?

Am Anfang werden Anliegen, Belastungen und Lebensbedingungen besprochen. Ein breiter Blick kann sichtbar machen, dass sich Schwierigkeiten gegenseitig verstärken: etwa Konflikte am Arbeitsplatz, schlechter Schlaf und das Gefühl, nie ausreichend zu leisten. Daraus sollte eine gemeinsame Orientierung entstehen, an der die nächsten Schritte erkennbar werden.

In der Integrativen Therapie können neben dem Gespräch körper- und erlebnisbezogene oder kreative Zugänge eingesetzt werden. Eine Übung könnte beispielsweise helfen, das Erleben einer Belastung genauer auszudrücken. Wie sie gewählt und ausgewertet wird, gehört zum therapeutischen Konzept. Nicht jede Sitzung muss sämtliche Möglichkeiten enthalten.

Die entscheidende Anschlussfrage lautet: Was folgt aus dem Erleben? Wird eine Grenze deutlicher, eine Beziehung anders verstanden oder ein veränderter Umgang im Alltag möglich? Eine Aktivität ist nicht schon deshalb therapeutisch hilfreich, weil sie neu, emotional oder kreativ war. Ihr Nutzen sollte im Zusammenhang mit dem vereinbarten Ziel besprochen werden.

Ein Beispiel: Belastung zwischen Arbeit und Erholung

Eine konstruierte Person arbeitet tagsüber unter hohem Druck und versucht abends, alles nachzuholen, was liegen geblieben ist. Sie bemerkt ihre Anspannung erst im Bett. Um den nächsten Tag vorzubereiten, plant sie weiter, schläft später ein und beginnt den Morgen erschöpft. Die Belastung betrifft Körper, Gedanken, Tagesablauf und Arbeitsbedingungen gleichzeitig.

Eine integrativ orientierte Betrachtung könnte diese verschiedenen Ebenen zusammenbringen und untersuchen, welche Erfahrungen, Beziehungen und Ressourcen eine Rolle spielen. Eine körperbezogene Aufmerksamkeit könnte beispielsweise verdeutlichen, wann die Anspannung beginnt. Die konkrete Intervention und ihre Bedeutung müssten im tatsächlichen Angebot geklärt werden.

Eine verhaltenstherapeutische Analyse würde außerdem den Ablauf und seine Konsequenzen präzisieren: Was löst das abendliche Weiterarbeiten aus? Welche Regel steckt dahinter? Was wird kurzfristig leichter? Welche Kosten entstehen am nächsten Tag? Eine mögliche Hypothese wäre, dass die Vorbereitung kurzfristig Unsicherheit reduziert, die notwendige Erholung aber immer weiter verdrängt.

Ein erster Veränderungsversuch könnte eine klar begrenzte Abschlussroutine sein: offene Aufgaben notieren, einen realistischen nächsten Schritt bestimmen und eine vereinbarte Tätigkeit zum Ausklang beginnen. Ob das hilft oder neue Schwierigkeiten sichtbar werden, wird anschließend geprüft. Bei anhaltenden Schlafproblemen braucht es gegebenenfalls eine eigenständige Abklärung. Mehr zum Thema steht unter chronischer Stress.

Welche Rolle spielt die therapeutische Beziehung?

Eine verständliche und respektvolle Zusammenarbeit ist bei verschiedenen Verfahren wichtig. Dazu gehört, dass Sie sagen können, wenn eine Erklärung nicht passt oder eine Übung unangenehm wird. Die therapeutische Beziehung ist nicht nur eine freundliche Atmosphäre, sondern auch der Ort, an dem Auftrag, Grenzen und Rückmeldungen geklärt werden.

Für einen integrativen Ansatz stellt sich zusätzlich die Frage nach der gemeinsamen Begründung der verschiedenen Elemente. Weshalb wird heute ein kreativer Zugang gewählt und beim nächsten Mal eine konkrete Alltagssituation analysiert? Eine nachvollziehbare Verbindung kann Orientierung geben. Ein unverbundenes Wechseln zwischen Techniken kann dagegen neue Unsicherheit erzeugen.

Auch für Verhaltenstherapie gilt: Eine geplante Übung sollte erklärt und gemeinsam abgestimmt werden. Struktur und Beziehung müssen keine Gegensätze sein. Ein genauer Plan kann Sicherheit schaffen, wenn er Ihre Rückmeldungen berücksichtigt und angepasst werden kann.

Was lässt sich zur Forschung sagen?

Der Ausdruck „integrative psychotherapy“ wird international für unterschiedliche Behandlungen verwendet. Studien mit diesem Etikett sind deshalb nicht automatisch Studien zur österreichischen Integrativen Therapie nach Petzold und ihren Weiterentwicklungen. Ebenso wenig beweist die Forschung zu einer einzelnen verwendeten Technik die Wirkung des gesamten Verfahrens.

In den für diesen Artikel geprüften methodenspezifischen Ausgangsquellen fand sich kein belastbarer unabhängiger Direktvergleich, der eine allgemeine Überlegenheit dieses konkreten Verfahrens gegenüber Verhaltenstherapie begründen würde. Das ist eine Grenze dieser Einordnung und keine Feststellung, dass die Methode unwirksam sei.

Eine aussagekräftige Bewertung müsste Diagnose, Behandlungsform, Vergleichsgruppe und Ergebnismaß unterscheiden. Wurde eine Veränderung nur im Rückblick berichtet? Gab es eine Kontrollgruppe? Wie viele Personen blieben in der Nachuntersuchung? Bei einem breiten Methodennamen ist zusätzlich entscheidend, was die Behandlung tatsächlich enthielt.

Für die eigene Wahl ist deshalb ein begründeter Plan wichtiger als der Schluss „mehr Methoden müssen mehr helfen“. Auch eine Kombination braucht ein nachvollziehbares Ziel und eine geeignete Qualifikation für die eingesetzten Vorgehensweisen.

Integrative Therapie und Verhaltenstherapie im Vergleich

Beide können unterschiedliche Lebensbereiche berücksichtigen. Die Integrative Therapie stellt deren Zusammengehörigkeit in ihrem eigenen theoretischen Rahmen besonders heraus. Verhaltenstherapie verbindet das individuelle Gesamtverständnis mit einer möglichst konkreten Analyse der Prozesse, die ein Problem heute aufrechterhalten.

Ein hilfreicher Vergleich fragt daher nicht, welche Schule den „ganzen Menschen“ sieht. Er fragt, wie aus dem Verständnis eine Veränderung entstehen soll und woran diese überprüft wird. Bei Grübeln könnte das bedeuten: Geht es gerade um ein lösbares Problem oder um wiederholtes gedankliches Absichern ohne neue Information?

FrageIntegrativer SchwerpunktVerhaltenstherapeutischer Schwerpunkt
Welche Ebenen werden verbunden?Leibliches, emotionales, biografisches und soziales Erleben im eigenen GesamtkonzeptIndividuelle Lerngeschichte, Lebensbedingungen und aktuelle Prozesse
Wie werden Techniken ausgewählt?Innerhalb des integrativen BehandlungsmodellsAus einer begründeten Hypothese zum aufrechterhaltenden Muster
Was ist für Patienten entscheidend?Verständlicher Zusammenhang und passende ErfahrungZusätzlich überprüfbare Veränderung im Alltag

Wie das in meiner Arbeit umgesetzt wird, erläutert Verhaltenstherapie: Ablauf und Arbeitsweise.

Zweites Beispiel: Nachdenken ohne Entscheidung

Eine Person analysiert einen Konflikt jeden Abend erneut. Sie möchte die richtige Entscheidung treffen und keinen Fehler machen. Je länger sie nachdenkt, desto weniger handelt sie. Das Beispiel ist konstruiert und lässt offen, welche Diagnose gegebenenfalls vorliegt.

Ein breites Verständnis kann erklären helfen, weshalb die Entscheidung so bedeutsam ist. Zusätzlich wäre zu prüfen, ob gerade Informationen fehlen oder ob Nachdenken die Unsicherheit kurzfristig auf Abstand hält. Verhaltenstherapeutisch könnte daraus eine klar begrenzte Entscheidungsaufgabe entstehen: vorhandene Informationen ordnen, einen nächsten Schritt festlegen und danach beobachten, wie mit verbleibendem Zweifel umgegangen wird.

Das soll keine reale komplexe Lebensentscheidung vereinfachen. Es unterscheidet die Aufgabe vom gedanklichen Kreislauf um die Aufgabe. Der Artikel Grübeln oder Problemlösen vertieft genau diese Unterscheidung.

Häufige Fragen

Ist Integrative Therapie dasselbe wie Integrative Gestalttherapie?

Nein. Es sind unterschiedliche Bezeichnungen für eigenständige Ansätze. Ähnliche Wörter oder gemeinsam verwendete Techniken machen sie nicht identisch. Der Artikel zur Integrativen Gestalttherapie erklärt deren eigenen Schwerpunkt auf Erleben und Kontakt. Fragen Sie nach dem genauen Verfahren und dessen konkreter Umsetzung.

Ist eine Kombination mehrerer Methoden immer besser?

Das lässt sich nicht allgemein behaupten. Eine Ergänzung sollte für das Anliegen begründet sein und fachgerecht eingesetzt werden. Eine längere Methodenliste sagt wenig über die Qualität eines Behandlungsplans aus.

Muss ich bei kreativen Übungen mitmachen?

Eine Therapie braucht informierte Zustimmung. Sie dürfen erklären, was Ihnen schwerfällt oder nicht passend erscheint. Welche Alternativen möglich sind, sollte im Gespräch geklärt werden. Ein Verfahren sollte nicht durch das möglichst widerspruchslose Ausführen einer Technik beurteilt werden.

Wie erkenne ich ein passendes Angebot?

Lassen Sie sich Ausbildung, Grundverfahren, Vorgehen und Ziele erklären. Bringen Sie eine konkrete Situation mit. Ein verständlicher Zusammenhang zwischen Ihrer Schwierigkeit und der vorgeschlagenen Arbeit ist hilfreicher als ein allgemeines Versprechen, alles ganzheitlich zu behandeln.

Was bieten Sie selbst an?

Ich arbeite mit Verhaltenstherapie und ergänzenden schematherapeutischen Elementen. Ein Online-Erstgespräch für Einzeltherapie dauert 50 Minuten, kostet 150 Euro und kann direkt gebucht werden. Für die Praxis in Wien nutzen Sie die persönliche Anfrage.

Quelle und fachliche Einordnung

  • ÖAGG: Integrative Therapie. Primärquelle zur Selbstbeschreibung der Fachrichtung; kein unabhängiger Nachweis einer generellen Überlegenheit.

Die klinischen Gegenüberstellungen sind fachliche Einordnungen anhand konstruierter Situationen. Veröffentlicht am 24. April 2026. Zuletzt überarbeitet am 15. Oktober 2026.

Über Dr. Richard Blokesch

Dr. Richard Blokesch ist Psychotherapeut für Verhaltenstherapie und bezieht ergänzende schematherapeutische Elemente ein. Informationen zu Ausbildung und Arbeitsweise finden Sie unter Über mich.

Ihr Anliegen im Erstgespräch besprechen

Im Erstgespräch besprechen wir Ihre Situation, Ihre Fragen und einen passenden nächsten Schritt. Wenn Sie meine verhaltenstherapeutische Arbeitsweise kennenlernen möchten, können Sie direkt einen Online-Termin wählen.

Online-Erstgespräch buchen

Per Zoom · 50 Minuten · 150 €

Praxistermin oder persönliche Frage

Für einen Termin in der Praxis in Wien oder eine Frage zum passenden Rahmen senden Sie mir eine kurze Nachricht. Eine knappe Beschreibung Ihres Anliegens genügt.