Katathym Imaginative Psychotherapie: innere Bilder und Vergleich mit Verhaltenstherapie

Manche Erfahrungen lassen sich schwer in Worte fassen. Ein Bild kann dagegen sofort etwas ausdrücken: sich vor einer verschlossenen Tür zu fühlen, keinen sicheren Platz zu finden oder immer wieder an derselben Grenze zu stehen. Katathym Imaginative Psychotherapie arbeitet mit therapeutisch begleiteten inneren Bildern. Damit ist mehr gemeint als eine Entspannungsreise oder das freie Deuten von Symbolen.

Dieser Artikel erklärt die KIP aus Patientensicht und ordnet ihre Forschung ein. Der Vergleich mit Verhaltenstherapie fragt insbesondere, welche Funktion innere Bilder haben und wie ein Erleben aus der Sitzung mit Veränderungen im Alltag verbunden wird. Dass auch andere Verfahren mit Vorstellungen arbeiten, macht sie nicht automatisch zu KIP.

Kurz gesagt

Katathym Imaginative Psychotherapie, kurz KIP, ist ein psychodynamisches Verfahren mit angeleiteter Imagination und anschließender therapeutischer Bearbeitung. „Katathymes Bilderleben“ ist eine ältere Bezeichnung. Forschung zu einer anderen Bildtechnik kann nicht ohne Weiteres als Wirksamkeitsnachweis für KIP übernommen werden. Für die Therapiewahl zählen die konkrete Schwierigkeit, die Qualifikation der behandelnden Person und ein nachvollziehbarer Behandlungsplan.

Innere Bilder werden in verschiedenen Therapieansätzen genutzt. In meiner Praxis ist Verhaltenstherapie die Grundlage; ergänzende schematherapeutische Elemente erläutere ich auf der Seite zur Schematherapie. Meine verhaltenstherapeutische Arbeitsweise.

Inhalt und Orientierung

Was bedeutet Katathym Imaginative Psychotherapie?

Die KIP verbindet psychodynamische Gesprächsarbeit mit dem begleiteten Erleben innerer Bilder und Szenen. Gefühle, Beziehungserfahrungen und Konflikte können dabei bildhaft auftauchen und anschließend besprochen werden. Die ÖGATAP beschreibt die Methode als tiefenpsychologisch orientiert. Sie wird in verschiedenen Altersgruppen und Settings eingesetzt. ÖGATAP: Methodenbeschreibung

„Imaginativ“ bedeutet, mit Vorstellungen zu arbeiten. Das Bild wird nicht als objektiver Bericht darüber behandelt, was früher geschehen sein muss. Ebenso wenig sollte ein einzelnes Symbol eine allgemeingültige Diagnose ergeben. Welche Bedeutung eine Szene für die Person hat, wird im Zusammenhang mit ihrem Erleben und ihrer Situation erkundet.

Wenn Sie eine solche Behandlung erwägen, müssen Sie nicht besonders kreativ oder künstlerisch begabt sein. Eine wichtige Frage wäre vielmehr, wie gut Sie mit angeleiteter innerer Aufmerksamkeit umgehen können und was Sie dabei erleben. Wenn Bilder nicht entstehen, stark belasten oder sich fremd anfühlen, ist das relevante Information für die Behandlung.

Wie könnte eine Sitzung aussehen?

Ein möglicher Ablauf beginnt mit einem Gespräch über die aktuelle Situation. Wird eine Imagination eingesetzt, sollte klar sein, wie sie abläuft und wie Sie mitteilen können, dass Sie eine Unterbrechung benötigen. Die Therapeutin begleitet das Erleben im Kontakt; anschließend wird das Wahrgenommene besprochen und mit den persönlichen Themen in Verbindung gebracht.

Eine konstruierte Illustration: Eine Person beschreibt in einer Vorstellung einen Ort, an dem sie sich nicht willkommen fühlt. Im Nachgespräch fällt auf, dass sie auch im Alltag häufig wartet, bis andere ihr einen Platz zuweisen. Daraus könnte ein Gespräch über Zugehörigkeit, eigene Wünsche und die Angst vor Zurückweisung entstehen.

Diese Szene ist kein typisches Bild, das zwingend erscheinen müsste, und keine Deutungsanleitung. Eine verschlossene Tür kann für verschiedene Menschen Unterschiedliches bedeuten oder für eine bestimmte Person gar keine besondere Bedeutung haben. Die therapeutische Arbeit sollte die individuelle Erfahrung genauer machen, statt eine vorgefertigte Symbolsprache darüberzulegen.

Was soll die Arbeit mit Bildern verändern?

Die interessante Frage ist nicht nur, ob ein Bild eindrucksvoll war. Sie lautet auch, was dadurch besser verstanden oder anders erlebt werden konnte. Hat sich ein bisher kaum zugängliches Gefühl gezeigt? Wird ein Bedürfnis deutlicher? Kann die Person eine Situation aus einer anderen Perspektive betrachten?

Für die weitere Behandlung kommt der Alltag hinzu. Eine neue Wahrnehmung kann zum Beispiel helfen, eine Grenze zu formulieren oder eine Beziehungssituation genauer anzusehen. Ob daraus eine tragfähige Veränderung entsteht, muss am Verlauf geprüft werden. Das Erleben einer Sitzung und die Bewältigung des nächsten schwierigen Gesprächs sind miteinander verbunden, aber nicht identisch.

Aus verhaltenstherapeutischer Sicht wäre zusätzlich zu fragen, welche Vorhersage oder welche Reaktion das Problem aufrechterhält. Bei Zurückweisungsangst kann das etwa die Erwartung sein, mit jedem Wunsch lästig zu sein. Eine mögliche Veränderung wird dann so geplant, dass diese Erwartung im Alltag überprüfbar wird. Informationen zu dieser Grundlage finden Sie unter Verhaltenstherapie: Ablauf und Arbeitsweise.

Für welche Beschwerden wird KIP eingesetzt?

Die Fachgesellschaft nennt unter anderem Ängste, depressive Beschwerden, Lebenskrisen und psychosomatische Probleme. Solche Anwendungsbeschreibungen dürfen nicht mit gleich starken Wirksamkeitsbelegen für jede Diagnose verwechselt werden. Vor einer Behandlung braucht es eine Einordnung der konkreten Beschwerden und möglicher weiterer Erkrankungen.

Besonders wichtig ist das, wenn innere Bilder rasch überwältigend werden, die Orientierung verloren geht oder eine erhebliche Instabilität besteht. Daraus folgt keine allgemeine Ausschlussliste für diesen Artikel. Es bedeutet, dass Methode, Zeitpunkt und Rahmen fachlich begründet gewählt werden müssen.

Auch die persönliche Erwartung zählt: Suchen Sie eine bestimmte psychodynamische Arbeit oder möchten Sie vor allem eine konkrete Angst im Alltag reduzieren? Beides kann berechtigt sein. Ein Erstgespräch sollte erklären, wie das angebotene Verfahren mit Ihrem Ziel zusammenhängt, statt nur eine breite Liste möglicher Anwendungen aufzuzählen.

Was sagt die Forschung zur KIP?

Ein aktuelles Forschungsprogramm der Internationalen Psychoanalytischen Universität Berlin untersucht KIP bei Erwachsenen mit emotionalen Störungen. Die registrierte Studie DiW-KIP vergleicht eine KIP-Behandlung mit einem psychodynamischen Vergleichsverfahren und prüft außerdem Kriterien der individuellen Passung. Die Projektbeschreibung nennt 180 geplante Teilnehmende und eine Laufzeit bis 2028. Gefördert wird das Projekt durch die deutsche KIP-Fachgesellschaft. IPU Berlin: DiW-KIP

Eine Projektbeschreibung und ein Studienprotokoll sind noch kein abgeschlossenes Ergebnis. Die Frage, ob Nichtunterlegenheit erreicht wird, lässt sich daraus nicht beantworten. Auch ist der Vergleich mit einem psychodynamischen Verfahren etwas anderes als ein direkter Vergleich mit Verhaltenstherapie.

Für eine faire Einordnung müsste man bei Ergebnissen prüfen: Welche Beschwerden wurden behandelt? Wie erfolgte die Zuteilung? Wie viele Personen konnten nachuntersucht werden? Welche Unterschiede sind mit ausreichender Sicherheit vereinbar? Eine vorläufig begrenzte Datengrundlage ist kein Beweis für Unwirksamkeit. Sie begrenzt die Sicherheit allgemeiner Erfolgsbehauptungen.

KIP ist nicht dasselbe wie jede andere Bildtechnik

Innere Vorstellungen kommen in unterschiedlichen therapeutischen Zusammenhängen vor. Eine Entspannungsimagination, eine Übung im Rahmen von Schematherapie und ein traumatherapeutisches Vorgehen können andere Ziele und eine andere Begründung haben. Die gemeinsame Verwendung von Bildern macht die Verfahren nicht austauschbar.

Das gilt auch für Forschungsbefunde. Wenn eine Studie eine bestimmte Technik zur Bearbeitung belastender Vorstellungen untersucht, ist damit nicht automatisch das gesamte KIP-Verfahren geprüft. Für Sie ist eine konkrete Erklärung hilfreich: Was soll diese Übung in meinem Behandlungsplan bewirken, und weshalb wird sie gerade jetzt eingesetzt?

Bei belastenden Erinnerungen ist zusätzlich die diagnostische Einordnung entscheidend. Der Artikel zur Traumatherapie erklärt, weshalb eine allgemeine Bildarbeit von einer spezifischen Behandlung einer Traumafolgestörung zu unterscheiden ist.

Bei Interesse an meinem tatsächlichen Vorgehen erklärt der Artikel zur Schematherapie, wie schematherapeutische Elemente in meine Verhaltenstherapie eingeordnet werden. Das ist eine andere Beschreibung als ein eigenes KIP-Angebot.

Beispiel: Bewertungsangst vor einer Besprechung

Eine konstruierte Person sieht vor einer Besprechung innerlich bereits die missbilligenden Blicke der anderen. Sie sagt wenig, liest vorbereitete Sätze ab und beschäftigt sich anschließend stundenlang mit möglichen Fehlern. Das innere Bild ist hier ein Teil der Angsterfahrung; es ist noch keine Diagnose und legt das passende Verfahren nicht allein fest.

In einer psychodynamisch orientierten Bildarbeit könnte erkundet werden, wie sich Bewertung und Zugehörigkeit im Erleben darstellen und welche persönliche Bedeutung dabei auftaucht. Die konkrete KIP-Arbeit müsste eine entsprechend qualifizierte Person planen. Der Artikel kann eine solche individuelle Planung nicht vorwegnehmen.

Verhaltenstherapeutisch wäre zu prüfen, welche Erwartungen und Absicherungen zusammenwirken. Das Ablesen und Schweigen können kurzfristig schützen, verhindern aber möglicherweise, dass eine eigene Wortmeldung anders erlebt wird als erwartet. Ein gemeinsam vorbereitetes Experiment könnte ein kurzer frei formulierter Beitrag sein. Vorher und nachher werden Befürchtung und Beobachtung getrennt betrachtet.

Die Frage lautet dann nicht „War ich perfekt?“, sondern beispielsweise „Wurde ich tatsächlich abgewertet, und wie konnte ich mit Unsicherheit umgehen?“. Falls starke Symptome bestehen, braucht die Übung eine therapeutisch passende Dosierung. Mehr zum Thema finden Sie unter soziale Angst und Angst vor Bewertung.

Entscheidungshilfe: Was Sie vor Beginn fragen können

  • Welche Ausbildung besteht für KIP und für meine konkrete Problematik?
  • Wie werden Diagnose, Ziele und Fortschritte besprochen?
  • Welche Rolle haben Imagination und Gespräch in der angebotenen Behandlung?
  • Wie kann ich mitteilen, dass eine Übung nicht passt oder zu belastend wird?
  • Wie wird die Arbeit aus der Sitzung mit meinem Alltag verbunden?

Sie dürfen auch sagen, dass Sie zunächst mehr Gespräch und Erklärung wünschen. Eine Methode muss nicht allein deshalb passen, weil ihre Beschreibung interessant klingt. Entscheidend ist, ob das tatsächliche Angebot Ihrem Anliegen und Ihrem Versorgungsbedarf gerecht wird.

Häufige Fragen

Muss ich klare Bilder sehen können?

Innere Vorstellungen können unterschiedlich deutlich sein. Manche Menschen berichten eher Gefühle, räumliche Eindrücke oder einzelne Gedanken. Ob und wie damit in KIP gearbeitet wird, sollte im Erstgespräch geklärt werden. Es gibt keinen Grund, ein bestimmtes Erleben vorzutäuschen, um eine Übung richtig zu machen.

Wird aus einem Bild auf verdrängte Ereignisse geschlossen?

Ein Bild ist für sich genommen kein Nachweis eines vergangenen Ereignisses. Eine verantwortliche therapeutische Arbeit unterscheidet Vorstellung, Erinnerung und gesicherte Information. Wenn Sie eine Deutung als unpassend erleben, sollte das besprechbar sein.

Ist KIP dasselbe wie Hypnose?

Nein. Es handelt sich um unterschiedliche Verfahren mit eigener Begründung und Ausbildung. Dass beide innere Aufmerksamkeit oder Vorstellungen nutzen können, hebt diese Unterschiede nicht auf. Fragen Sie nach dem tatsächlich angebotenen Vorgehen.

Ist KIP besser als Verhaltenstherapie?

Eine allgemeine Rangfolge lässt sich aus der hier besprochenen Forschung nicht ableiten. Der Vergleich muss sich auf eine bestimmte Diagnose, definierte Behandlungen und belastbare Ergebnisse beziehen. Für Ihre Entscheidung sind außerdem Passung, Ziele und der konkrete Behandlungsplan wesentlich.

Bieten Sie KIP an?

Ich arbeite mit Verhaltenstherapie und ergänzenden schematherapeutischen Elementen. KIP wird hier zur Orientierung erklärt. Wenn Sie meine Arbeitsweise für Angst, Selbstzweifel oder wiederkehrende Muster kennenlernen möchten, können Sie ein Erstgespräch vereinbaren. Wer gezielt KIP sucht, sollte ein entsprechend ausgebildetes Angebot wählen.

Unterstützung in Wien und online

Ein Online-Erstgespräch für meine Einzeltherapie können Sie direkt buchen: 50 Minuten, 150 Euro. Bei einem Praxiswunsch nutzen Sie bitte die Kontaktanfrage. Die Seite Angststörungen beschreibt den entsprechenden Schwerpunkt meiner Arbeit.

Quellen und Einordnung

Die Alltagsszenen sind konstruierte Beispiele zur Unterscheidung therapeutischer Fragen. Veröffentlicht am 21. Mai 2026. Zuletzt überarbeitet am 15. Oktober 2026.

Über Dr. Richard Blokesch

Dr. Richard Blokesch ist Psychotherapeut für Verhaltenstherapie und bezieht ergänzende schematherapeutische Elemente ein. Informationen zu Ausbildung und Arbeitsweise finden Sie unter Über mich.

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Im Erstgespräch besprechen wir Ihre Situation, Ihre Fragen und einen passenden nächsten Schritt. Wenn Sie meine verhaltenstherapeutische Arbeitsweise kennenlernen möchten, können Sie direkt einen Online-Termin wählen.

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